Lexus LS 400 – der erste Streich saß

Lexus… das passte der selbsternannten Deutschen Premium-Elite damals irgendwie sichtbar gar nicht…

1989 warf Toyota die Bombe und launchte Lexus – das machten andere auch: Infiniti und vor allem Acura sind vor allem auf dem nordamerikanischen Markt durchaus relevante Größen geworden – in Europa ging das mit denen über zaghafte Randexistenzen bislang nie hinaus.

Upper Class: Lexus LS400 als Erfolgsauto der Erfolgreichen in den USA

Aber das all das war eh nicht so bedrohlich wie Lexus – denn:

  •  Toyota meinte es ernst, brachte gleich 3 Fahrzeuge und zeigte an, dass das noch mehr werden
  • Toyota machte das nach Lehrbuch: Mit Kundentests, Blindverkostungen, und vor allem von oben nach unten: der große Wagen zuerst (LS400) – in seinem Gefolge GS300 und der Lexus ES (Der war fake – war eigentlich ein Camry
  • Toyota hatte in vielen Märkten längst die Qualitätsführerschaft für sich erarbeitet – und sie damit bereits Daimler Benz abgenommen – und nun drangen sie strategisch in Luxus Segment vor…

Boah – das konnte ja heiter werden.

Auch die Briten akzeptierten den Lexus schnell – zu dieser Zeit war die landeseigene Automobilindustrie jedoch schon mehr oder weniger vollständig geplatzt

Wurde es auch: 11 satte Jahre hintereinander sollte Lexus ab dem Jahr 2000 die meistverkaufte Premium-Marke der USA werden, bis sie von BMW abgelöst wurde. 2012 zog dann auch noch Mercedes vorbei und verwies Lexus auf Platz 3. Jedoch nur für eine Atempause: Seit 2015 ist Lexus wieder on Top…

Und den Grundstein dafür legte der legendäre Lexus LS400 – eine schier majestätische Erscheinung; vor allem im Vergleich zu heutigen Premium-Autos.

Der Lexus LS400 hat noch dieses sanft schwebende Fahrverhalten, das kurze Zeit später in dieser Liga leider zugunsten abstrakter Autobahngeschwindigkeiten und Siegen in irgendwelchen Wedeltests aufgegeben wurde und den Fahrzeugen der heutigen Oberklasse, einfach das Elitäre nimmt. Der Lexus orientiert sich hier noch an klassischen Vorbildern wie Rolls-Royce – alles dämpfen und wegfiltern. Dafür darf es dann um die Kurve auch mal ein wenig weicher gleiten und 50 KM/h reichen dort wo heute mit hartem Fahrwerk 60 gehen.

Der Lexus LS400 jedoch kann das klassische noch. Wie von Mercedes befürchtet, zeigte sich der LS400 von Beginn an als eines der solidesten Fahrzeuge, das man in dieser Klasse kaufen konnte. Ausgezeichnet luxuriös, hervorragend verarbeitet und mit all der Solidität ausgestattet, die Toyota bis an die Nummer 1 der weltweiten Automobilhersteller bringen sollte – all das steckte im ersten Oberklasse-Lexus.

Eher selten in dieser krassen Farbe – die meisten sind innen in einem sachlichen Grau gehalten. Leder muss her – die nichtbelederten Sitze sind böse im Sommer.

Die Deutsche Motorpresse reagierte mit dem lebenserhaltenden Reflex derer, die die Werbemillionen der Premiumhersteller empfangen: Den Lexus erst einmal schlecht machen. Jedoch….

Am Lexus LS400 gab es faktisch nichts richtiges auszusetzen: Der LS400 war einer der besten Langstreckenwagen seiner Zeit, unfassbar leise und gesegnet mit einer Autobahn-Ruhe, die extra auf Deutschen Autobahnen erprobt und abgestimmt worden war. Die Toyota Ingenieure waren keine Anfänger, sondern hatten binnen kürzester Zeit nicht nur zur angeblichen Deutschen Elite aufgeschlossen, sondern diese in Teilen gar überholt – und da reden wir erst einmal ja nur von der Ingenieursleistung der Konzeption – dass sich der Wagen auch nach 20 und mehr Jahren als ungemein robust, haltbar und verlässlich herausstellen sollte, trotz teils astronomischer Fahrleistungen, wird ja im Vergleichstest der Auto Motor und Sport nie erwähnt.

Und so mussten die Autozeitungem dem Wagen dann also „Designerische Mutlosigkeit“ vorwerfen und behaupteten fortan, er sähe aus wie die Kopie eines Mercedes W126, der damaligen im Auslaufen befindlichen S-Klasse von Mercedes.

Nice Try kann man da sagen: im religiös verblendeten Deutschland funktionierte das natürlich – aber das Echo reichte nicht einmal bis in die Schweiz – und wie gesagt: Vom US-Markt wollen wir da mal nicht sprechen… Der gemeine Amerikaner wälzt keine 300 Autozeitungen vor dem Kauf und wollte Ende der Achtziger Jahre auch nicht die Baubarkeitsregeln der  Premium-Hersteller verstehen, sondern schätzte ein voll ausgestattetes Auto mit solidem Gegenwert.

In aller gebotenen Fairness: Der Innenraum ist an ein paar Stellen schon sehr asiatisch und die Kunststoffe würde man heute so nicht mehr verbauen – aber das kann man glatt als eigenen Stil auslegen. Ganz so luxuriös wirkt das mit heutiger Brille nicht – das kann der Benz besser und der BMW auch.

In manchen Kreisen geht es nicht ohne kurze Federn und dicke Felgen

Und als dann noch die ersten Promis vom Schlage eines Bill Gates im Lexus vor fuhren und öffentlich lobten, da war es  auch mit dem letzten Widerstand vorbei und Lexus rockte die USA – bis heute.

Der LS400 gilt in den verschiedensten Kreisen als Kultauto und wird von hippen Location Scouts als Youngtimer verehrt. Nur in Deutschland hat Lexus bis heute ein zwar anerkennend wahrgenommenes, aber eben unwirtschaftliches Nischen-Dasein: Den Lexus LS400 fuhren etwa von Beginn an deutlich öfter Privatleute, Selbständige, Architekten, Ärzte – all jene nämlich, die auf die Firmenwagenregelungen der Großkonzerne keine Rücksicht nehmen mussten, die die Deutschen Autos in den Vordergrund stellen und zur Quasi-Pflicht machen.

Und wenn Du in einem Dienstwagenland wie Deutschland in der Szene nicht mitspielen darfst, dann kannst Du ruhig der coolste von allem sein. Da könntest Du sogar Tests gewinnen – kaufen würde dennoch keiner.

Und so ist der Lexus LS400 in Deutschland nicht nur ein sehr solider und haltbarer Seltenheitswagen  – aber das muss ja nicht schlecht sein.

Fahrzeug-Kultur-Score

Coolness   5/10
Styling   5/10
Hingucker?   3/10
Handling   6/10
Sammelnswert?   4/10
Features   4/10
Luxus   6/10
Qualität   8/10
Nutzbarkeit   9/10
Bang for Budget   4/10
Fahrzeug-Kultur-Score Gesamt   54

Mit einem Score von 54 knapp über der Mitte – irgendwie passend, denn für die meisten Leute ist der Lexus LS400, gänzlich ungeachtet seiner Qualitäten, heute einfach zu unauffällig. In Kürze werden das viele bereuen. Krass allerdings: Wirklich billig bekommt man den in Deutschland nie – dafür muss man in die Benelux-Länder reisen.